Was tun beim Riss des vorderen Kreuzband? Physiotherapie Actiway klärt euch auf!

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Immer wieder kommt es beim Sport zu Knieverletzungen. Einer der häufigsten Knieverletzungen ist der Riss des vorderen Kreuzbandes. Wir von der Physiotherapiepraxis Actiway haben in diesem Blogbeitrag den aktuellen wissenschaftlichen Stand und was man über diese Verletzung wissen sollte zusammengetragen.

 Definition vorderer Kreuzbandriss.

 Ist ein vollständiger oder teilweiser Riss des vorderen Kreuzbandes des Kniegelenkes

 

Anatomie/ Funktion

 Das vordere Kreuzband verbindet das Schienbein mit dem Oberschenkelknochen. Mechanisch ist das vordere Kreuzband dafür zuständig vordere Scherkräfte abzufangen. Bis zu 86% aller Scherkräfte werden von ihm übernommen. Beim Strecken des Kniegelenkes stabilisiert das Band die Streckung. Die Innendrehung der Tibia (Schienbein) wird gemeinsam mit dem hinteren Kreuzband limitiert.

 Ursache einer Verletzung des vorderen Kreuzbandes:

 Entsteht meist bei Kontaktsportarten wie Fussball, Basketball, Hockey aber auch im Skisport, beim Tennis oder Squash. Es kann durch indirekte Gewalteinwirkungen (70%) und direkte Gewalteinwirkung (30%) zum Riss des Bandes kommen. Die wirkende Kraft muss so stark sein, dass die Zugfestigkeit des alten VKBs mit ca. 658 N und des jungen VKBs mit ca. 2160 N nicht mehr ausreicht und es reisst. Die meisten Risse kommen im Alter von 16-45 Jahren vor.  Das Verletzungsrisiko bei Frauen ist ca. 7mal höher als bei Männern.

 Verletzungsarten:

 Reisst meist durch eine Drehbewegung des Unterschenkels und Oberschenkels in entgegengesetzte Richtung. Meistens dreht der Unterschenkel nach aussen und dies kann mit einer starken Überstreckung aber auch mit einer Beugung kombiniert sein. Sehr häufig beim Landen nach einem Sprung kommt es zu einem plötzlichen Stopp. Die knieumgebende Muskulatur kann die Bewegung nicht schnell genug stabilisieren und das Band wird überlastet, sodass es reisst.

Häufig ist der Riss des vorderen Kreuzbandes mit Begleitverletzungen verbunden. Der innere Meniskus und/ oder das innere Seitenband des Kniegelenkes kann auch beschädigt sein. Wenn alle drei Strukturen beschädigt sind, wird dies als unhappy triad -der unglückliche Dreier- betitelt.

 Untersuchung Diagnostik

 Die Diagnose wird vom Arzt anhand der Beschreibung des Unfallverlaufs, der klinischen Zeichen bzw. spezieller klinischer Tests, wie zum Beispiel dem vorderen Schubladentest, getroffen. Wenn das klinische Bild passt, wird zur Sicherstellung des Verdachtes auf einen Kreuzbandriss ein bildgebendes Verfahren angewendet. Eine Ruptur (Riss) des Bandes, des Meniskus und auch Bone Bruises (Mikrofrakturen) sind im MRI (Magnetresonanztopographie) erkennbar, der als Goldstandard gilt. Eine grössere knöcherne Verletzung kann anhand eines Röntgenbildes dargestellt werden. Goldstandard bedeutet, die derzeit beste Möglichkeit, um eine Erkrankung zu erkennen.

 Klinische Zeichen, die für einen Riss des vorderen Kreuzbandes sprechen

 

  • In der Regel ist ein Unfall mit Stauchung und/ oder Verdrehung des Kniegelenkes vorausgegangen.
  • Das Kniegelenk kann geschwollen und überwärmt sein
  • Eventuell ist das aktive/ passive Bewegen des Kniegelenkes schmerzhaft oder die Beweglichkeit ist eingeschränkt.
  • Das Belasten des Beines ist schmerzhaft und es kann ein Instabilitätsgefühl auftreten
  • Klinische Test wie die vordere Schublade, Lachmanntest, Pivot Shift sind positiv

 Behandlung

 konservativ

 Es gibt die Möglichkeit das Kreuzband ohne operativen Eingriff zu behandeln. Diese Möglichkeit kommt dann zum Einsatz, wenn keine Begleitverletzungen vorhanden sind, das Band nur teilweise gerissen ist und in der Regel eher bei älteren, nicht sportlichen Personen. Es ist zu bedenken, dass durch die schlechte arterielle Versorgung des vorderen Kreuzbandes die Heilungschancen sehr gering sind. Somit ist besonders wichtig, dass ein gutes Aufbau- und Stabilitätstraining durchgeführt wird.

 operativ

 Das operative Verfahren wird sehr häufig bei jungen und sportlichen Personen und auch im Profisport gewählt. Hierbei wird mit verschiedenen Verfahren das Kreuzband wieder hergestellt. Am häufigsten sind die Verfahren mit einer Sehnenplastik der Kniescheibensehne (Patellasehenplastik  79%) oder der Semitendinosusplastik 12 %. Es gibt den Verdacht, dass ein nicht operiertes Kniegelenk eher zu frühzeitiger Arthrose führen kann, dies ist jedoch laut derzeitiger Studienlage nicht belegt.

 Physiotherapie operativ oder konservativ

 Entzündungsphase / Akutphase

 konservativ

 In dieser Phase kann das Kniegelenk in einer Schiene in Streckung ruhig gestellt werden.

Es kann in der Regel voll belastet werden, dies sollte vom Schmerz abhängig gemacht werden.

Es kann im schmerzfreien Bereich mobilisiert werden und eventuell Lymphdrainage durchgeführt werden. Das Gehen mit Handstöcken wird geübt und es können Kurzzeit-Eisanwendungen oder kühlende Umschläge mit einer geringen Temperaturreduktion von ca. 6 Grad durchgeführt werden.

Die Entscheidung wann die Entzündungsphase vorüber ist, wird anhand der Reduktion der Schwellung und der Temperatur getroffen. Auch sollte der Schmerz sich fühlbar reduziert haben.

 operativ

 Innerhalb der Entzündungsphase gibt es kaum Unterschiede zur konservativen Therapie. Gelegentlich wird eine Schiene mit einer Streck- und Beugeblockade verordnet (im Bereich von 30°- 80°). Dies ist jedoch vom Operateur abhängig. Genau wie die Art der Belastung sein sollte. Laut einer Studie lassen 70% aller Operateure in den USA ihre Patienten direkt voll belasten und geben das Bewegungsausmass frei.

 Proliferationsphase ca. 2. bis 8. Woche

 konservativ/ operativ

 In dieser Phase sollte besonders Wert auf die Beweglichkeit des Gelenkes gelegt werden. Das Bindegewebe muss sich in Bewegungsrichtung ausrichten. Des Weiteren kann in dieser Phase an der Reaktivierung der Muskulatur und den koordinativen Fähigkeiten gearbeitet werden. Die eigene Köperwahrnehmung und die Beinachse kann in verschiedenen Ausgangsstelllugen geübt werden. Auch die Ausdauer sollte trainiert werden.

 Remodelierungsphase ca. 8.Woche bis 2 Jahre

 konservativ/ operativ

 In dieser Phase kann mit Krafttraining begonnen werden. Bis das Transplantat die Stabilität des ursprünglichen Bandes besitzt, benötigt es bis zu 2 Jahre. Die Kraft ist auch bei Athleten nach 5 – 6 Monaten noch reduziert.  Daher sollte mit Schnellkraftübungen und kniebelastenden Sportarten erst nach Bestehen von speziellen Test begonnen werden. Dies kann teilweise bis zu 9 Monate dauern.

 Spezielle Tests zur genauen Bestimmung der Belastbarkeit und zur Erstellung eines Trainingsplanes

 Die Fähigkeiten der Balance, Koordination und Kraft müssen immer wieder überprüft werden, um eine klare Aussage über die Fähigkeiten und die Belastbarkeit des Patienten machen zu können. Hierfür gibt es spezielle Testverfahren wie den Y Balancetest. Dieser Test kommt ursprünglich aus den USA und wird dort im Profisportbereich angewendet, um eine Einschätzung über die Stabilität und die Beinachse im Vergleich zum nicht verletzten Bein treffen zu können. Dieser Test kommt auch bei uns in der Physiotherapie Actiway St. Gallen zur Anwendung. Auch spezielle Sprungtestverfahren geben uns Aussage über die Belastbarkeit des Kniegelenkes und der umliegenden Bereiche. Anhand dieser Testverfahren entscheiden wir innerhalb der Therapieplanung, welche Therapie in der entsprechenden Phase für den Patienten am besten geeignet ist und erstellen einen Therapie- und Trainingsplan. Dieser sollte sich natürlich immer auch an den persönlichen Bedürfnissen und Zielen des Patienten orientieren

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