Verlauf der Krankheit Multiple Sklerose – wie kann man Multiple Sklerose feststellen? Physiotherapeutische Behandlung Multiple Sklerose

Verlauf der Krankheit Multiple Sklerose – wie kann man Multiple Sklerose feststellen? Physiotherapeutische Behandlung Multiple Sklerose

Was ist die Multiple Sklerose ?

Die Multiple Sklerose (Encephalomyelitisdisseminata) ist eine autoimmune, chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark). Aufgrund ihrer zahlreichen Symptome sowie unterschiedlichen Verlaufsformen wird sie auch als die «Krankheit mit den tausend Gesichtern» bezeichnet.

Wie häufig erkranken Menschen an Multipler Sklerose und wer ist am meisten betroffen?

Multiple Sklerose (MS) ist die am weitesten verbreitete chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) in Mitteleuropa. Frauen sind ungefähr doppelt so häufig betroffen wie Männer. In der Schweiz sind rund 10.000 – 15.000 Menschen erkrankt.

Wie funktioniert unser Nervensystem und was passiert wenn es geschädigt wird?

Das zentrale Nervensystem ist Sitz unserer Motorik. Es verarbeitet und koordiniert körperliche Reize. Von hier aus werden unsere willentlichen und automatisierten Bewegungen gesteuert. Es reagiert gezielt auf die uns umgebenden Umweltbedingungen. Wird das Nervensystem angegriffen, kommt es zum Ausfall oder Verlangsamung körperlicher Funktionen. Eine Vielzahl an Krankheitszeichen können entstehen.

Wie wird die Multiple Sklerose behandelt?

Bisher kann keine Therapie eine Multiple Sklerose heilen. Dank medikamentöser Immuntherapie und physiotherapeutischer Behandlung lassen sich die körperlichen Funktionen länger erhalten, die Fortbewegung verbessern und dadurch die Lebensqualität deutlich steigern.

Was passiert im Körper

Im Zentralen Nervensystem kommt es zu entzündlichen Schädigungen. Das eigene Immunsystem greift die Leitungsbahnen und Nervenzellen an und die Leitungsschicht der Nervenfasern (Myelinhülle) und der Nerv werden geschädigt. Die Ursachen sind trotz zahlreicher Forschung noch nicht endgültig geklärt.

Verlauf der Krankheit Multiple Sklerose – wie kann man Multiple Sklerose feststellen? Physiotherapeutische Behandlung Multiple Sklerose

Abbildung 1: Schematische Darstellung nach der Schweizerischen Multiplen Sklerose Gesellschaft, abgerufen am 25.03.2020

Verlauf der Krankheit Multiple Sklerose – wie kann man Multiple Sklerose feststellen? Physiotherapeutische Behandlung Multiple Sklerose

Wer kann an MS erkranken?

Grundsätzlich kann jeder Mensch an MS erkranken. Derzeit geht die Forschung von einer vielseitigen Entstehung aus, was bedeutet, dass die Erkrankung sowohl von genetischen, als auch von Umweltfaktoren abhängt. Genetisch heisst, dass bestimmte Merkmale vererbt werden können. Bei 20 % der an MS erkrankten Patienten, die an der Multiplen Sklerose erkrankt sind, zeigen sich familiäre Häufungen. Als mögliche auslösende Umweltfaktoren werden Infektionen, geringe Sonnenbestrahlung, Vitamin D-Mangel, Gifte, Zigarettenkonsum sowie physischer und psychischer Stress diskutiert.

Wann tritt Multiple Sklerose auf?

Die meisten Betroffenen erkranken zwischen 20 – 40 Jahren. Der Erkrankungsgipfel liegt bei 30 Jahren. Bis zu 10 % der Patienten entwickeln Multiple Sklerose auch schon im Kindesalter und sehr selten tritt die Krankheit in einem Alter über 40 Jahren auf.

Welche Krankheitszeichen zeigen sich?

Die häufigsten Erstsymptome sind Sehstörungen, Gangschwierigkeiten mit belastungsabhängiger Schwäche der Beine und Störungen der Sensibilität wie Kribbeln, Taubheit oder «Ameisenlaufen».

Es können aber auch andere Krankheitszeichen auftreten wie:

  • Gleichgewichtsstörungen
  • Lähmungen an den Beinen und/oder Armen
  • Muskelschwäche
  • Muskelsteife (Spastik)
  • Schmerzen
  • Blasen- und Darmstörungen
  • Müdigkeit (Fatigue)
  • Konzentrationsschwäche
  • Sprech- und Schluckstörungen
  • Sexuelle Funktionsstörungen
  • Depressionen

Diese Symptome können gleichzeitig oder einzeln auftreten.

Wie verläuft die Erkrankung?

Der Verlauf der Erkrankung wird in vier Formen unterschieden. Es gibt den schubförmigen Verlauf (a), dieser zeigt sich bei 80 % der Erkrankten. Weiter gibt es den schubförmig fortschreitenden Verlauf (b), den primär chronisch fortschreitenden Verlauf (c) und den sekundär fortschreitenden Verlauf (d).

Verlauf der Krankheit Multiple Sklerose - wie kann man Multiple Sklerose feststellen? Physiotherapeutische Behandlung Multiple Sklerose
Verlauf der Krankheit Multiple Sklerose – wie kann man Multiple Sklerose feststellen? Physiotherapeutische Behandlung Multiple Sklerose

Abbildung 2: Schematische Darstellung nach Hoffmann, S. et al (2009, S. 16)

Wie verläuft der schubförmige Verlauf ?

Es kommt zu zeitlich begrenzten Funktionsausfällen, meist dauert es 6 – 8 Wochen.

Was passiert beim schubförmig fortschreitenden Verlauf ?

Die schubförmigen Funktionsausfälle, bilden sich nicht mehr vollständig zurück. Dadurch entstehen im Verlauf der Zeit immer mehr körperliche Beeinträchtigungen.

Wie verläuft der primär chronisch fortschreitende Verlauf ?

Der Grad an Behinderung nimmt nach Krankheitsbeginn immer mehr zu und bleibt bestehen.

Was ist der sekundär fortschreitende Verlauf ?

Nach anfänglichen Schüben nehmen die Beschwerden kontinuierlich zu.

Wie wird MS diagnostiziert?

Bei Verdacht ist eine Vorstellung bei einem Facharzt (Neurologe) notwendig. Dieser führt eine genaue Anamnese sowie verschiedene neurologische Untersuchungen durch. Dazu gehören die Testung der Funktion der Augen, der Hirnnerven, des Berührungs-, Temperatur- und Tastempfindens sowie eine Untersuchung der Schmerzen. Ebenso werden die Muskelkraft und Muskelspannung getestet sowie die vegetativen Funktionen (Blase, Mastdarm, Sexualorgane). Als weiteres Diagnosemittel zählt die Magnetresonanztomographie (MRI), welche die geschädigten Stellen im Nervensystem aufzeigen kann. Auch eine Lumbalpunktion kann zur Diagnose genutzt werden. Hier wird Liquor (Flüssigkeit aus dem Rückenmark) untersucht. Auch wird Blut abgenommen und diverse Laboruntersuchungen durchgeführt. Eine Diagnosestellung kann bis zu 4 Jahre dauern. Das MRI wird auch zur Kontrolle des Verlaufs verwendet . Hieraus wird ersichtlich, ob es zu weiteren Schädigungen des Nervensystems gekommen ist.

Wie kann die Multiples Sklerose behandelt werden?

Bei der MS kommt eine vom Neurologen verschriebene und angepasste medikamentöse Therapie zum Einsatz und wird durch zielgerichtete Physiotherapie ergänzt. Im Fall von auftretenden Depressionen kann ein Psychiater oder Psychologe hinzugezogen werden. In sehr schwerwiegenden Fällen erhalten Patienten auch häusliche Unterstützung von Pflegekräften.

Und was macht man in der Physiotherapie?

In der Physiotherapie geht es zu Beginn darum, ein klinisches Bild von den motorischen Fähigkeiten des Patienten zu bekommen. Es finden ein ausführliches Gespräch, Gelenk- und Kraftmessungen sowie funktionelle und neurologische Tests statt. Anhand dieser Testergebnisse wird die Therapie geplant mit dem Ziel, die Lebensqualität und Selbstständigkeit zu erhalten. Im Zentrum stehen die Schmerzlinderung und Erhaltung der Bewegungsmuster.

Was sind Bewegungsmuster?

Alltägliche Bewegungen sollen erhalten und neue Bewegungsabläufe erlernt werden. Hierzu zählen unter anderem:

  • aufstehen/hinsetzen
  • gehen
  • knien
  • stehen
  • Treppe laufen
  • sich nach unten bücken, um die Schuhe zu binden/Socken anzuziehen
  • sich im Bett drehen
  • Gegenstände aus dem Schrank holen

Was sind weitere Therapieinhalte?

39 % der MS Patienten leiden unter Rückenbeschwerden. Daher werden die Aufrichtung und Haltung der Wirbelsäule geübt. Das ist für alle Aktivitäten des täglichen Lebens wichtig und schützt vor vielen Arten von Verletzungen.

Worauf legen wir bei Actiway besonderen Wert ?

Zu Beginn der Therapie werden Ausgangsstellungen vermieden, die der Patient noch nicht beherrscht, um dann schrittweise die Fähigkeiten auszubauen. Das Erarbeiten neuer körperlicher Funktionen ist Trainig für das Gehirn. Zum Beispiel kann beim Gehen ein Gelenk in seiner Beweglichkeit eingeschränkt oder die Gangphasen können verändert sein. Hier gilt es nun die spezifische Bewegung ganzheitlich zu verbessern. Beim Üben werden daher sowohl die Gelenkbeweglichkeit verbessert als auch schrittweise die betroffene Gangphase optimiert. Damit kommt es langfristig zu einem gesunden Gangbild und die Beweglichkeit bleibt durch Nutzung erhalten. Die Übungen sollten selbstständig zuhause fortgesetzt werden, da unser Gehirn ständige Wiederholungen benötigt, um neue Abläufe und Muster zu automatisieren.

Physiotherapie – Orthopädie – Neurologie – Geriatrie – St. Gallen – Actiway

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Literaturverzeichnis:

Hoffmann, S. et al.: Multiple Sklerose: Epidemiologie … ISSN 1861- 6704 Prakt. Arb.med. 2009; 17: 12-18

Kesselring, J.: Multiple Sklerose ; ASA | SVV Medinfo 2010/1 Neurologie : 28-43

Henze, T.: Symptomatische Therapie der Multiplen Sklerose; psychoneuro 2004; 30 (7): 393–400

Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in derNeurologie, 2014, AWMF-Registernummer: 030/050

Websiten:

Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft, aufgerufen am 25.03.2020;

https://www.multiplesklerose.ch/de/ueber-ms/multiple-sklerose/diagnose/#a_magnetresonanz-tomographie-mri

Amboss.com; aufgerufen am 24.03.2020; https://www.amboss.com/de/wissen/Multiple_Sklerose

Flexion, Doccheck.com; aufgerufen am 24.03.2020;

https://flexikon.doccheck.com/de/Zentralnervensystem

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft, aufgerufen am 25.03.2020; https://www.multiplesklerose.ch/fileadmin/_processed_/2/2/csm_grafik_ms_nervenschaden_d_6f893e60c2.jpg

Abbildung 2: Schematische Darstellung nach Hoffmann, S. et al (2009, S. 16)

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